Mit freundlicher Genehmigung des BUND darf der Brief vom BUND an die Gemeindeverter (vor der letzten Sitzung am 22.09.16) veröffentlicht werden (Der NABU hat sich den Ausführungen mit Schreiben vom 23.09.16 an die Gemeinde vollumfänglich angeschlossen.):

Von: Janine Böttcher [mailto:naturschutz-mv@t-online.de]
Gesendet: Mittwoch, 21. September 2016 16:33
An: info.boergerende-rethwisch@t-online.de
Cc: info@nabu-mittleres-mecklenburg.de; Corinna Cwielag
Betreff: An alle Mitglieder der Gemeindevertretung; Hochhaus-Großprojekt Börgerende

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Mitglieder der Gemeindevertretung,

Sie stimmen am morgigen Donnerstag über den Antrag von Herrn Carlo Schmidt (TOP 8.5) über die Aufstellung eines Bebauungsplanes und Änderung des Flächennutzungsplanes ab. Dies erfuhren wir, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland – Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. (BUND), über die Berichterstattung des NDR.

Als anerkannte Naturschutzvereinigung möchten wir Sie hiermit auf den hohen naturschutzfachlichen Wert des Vorhabengebietes hinweisen und Ihnen nahe legen, in der morgigen Sitzung die Anfrage zunächst zurückzustellen, damit Sie sich erst ausreichend über die Wirkung des Projektes auf die Landschaft und den Naturschutz informieren können.

Wir haben gegen das Vorhaben naturschutzfachliche Bedenken, weil:

  • eine vertikale Struktur (Hochaus) von mindestens 67 m (zuzüglich Antennen etc.), das Kollisionsrisiko bzw. die Störwirkung auf Vögel und Fledermäuse (durch den Bau an sich, durch Beleuchtungen und Reflektionen von Glasflächen) erhöht,
  • das zu schützende „Grüne Band Ostsee“ im Wirkbereich des Hochhauses liegt (laut Gutachtlichem Landschaftsrahmenplan Mittleres Mecklenburg/Rostock befindet sich das geplante Hochhaus innerhalb des Biotopverbundes Küste),
  • das Vorhaben innerhalb des Landschaftsschutzgebietes „Kühlung“ geplant wird (hier ist das Bauen verboten),
  • das Vorhaben in der Zone A (höchste Stufe) der relativen Zugvogeldichte (hohe bis sehr hohe Dichte) liegt (s. Anhang),
  • von dem Hochhaus eine erhebliche Wirkung auf das Landschaftsbild ausgeht (die Bewertung des Landschaftsbildraumes der Küste und des Conventer Sees sind mit „sehr hoch“ eingestuft, Quelle: Kartenportal Umwelt),
  • das Hochhaus inmitten eines landschaftlichen Freiraumes (Funktion) der Stufe 3 (zweithöchste Bewertung: hohe landschaftliche Freiraumfunktion) geplant wird (Quelle: Kartenportal Umwelt),
  • in unmittelbarer Nähe sich das Naturschutzgebiet bzw. FFH-Gebiet „Conventer See“ befindet, der See ist Tagesruhe- bzw. Schlafplatzgewässer für Tauchenten und Gänse (s. Anhang),
  • das Vorhaben auf einem Acker geplant werden soll, der ein landseitiges Vogelrastgebiet der Kategorie 3 (zweithöchste Stufe) ist (s. Anhang),
  • sich im Bereich des Vorhabengebietes eine nach § 20 NatSchAG M-V gesetzlich geschützte, naturnahe Feldhecke befindet und durch Bauvorhaben Eingriffe in die Hecke zu befürchten sind,
  • das Vorhaben nach dem aktuell gültigen Regionalen Raumentwicklungsprogramm Mittleres Mecklenburg im Vorbehaltsgebiet für den Hochwasserschutz und die Landwirtschaft sowie im Schwerpunktbereich Tourismus liegt (das Hochhaus soll aber ausschließlich gewerblich genutzt werden)
  • laut Gutachtlichem Landschaftsrahmenplan Mittleres Mecklenburg/Rostock auf der Vorhabenfläche als Entwicklungsziel und Maßnahme eine Strukturanreicherung auf landwirtschaftlichen Flächen vorgesehen ist,
  • laut Gutachtlichem Landschaftsrahmenplan Mittleres Mecklenburg/Rostock im Bereich des geplanten Hochhauses eine besondere Bedeutung für die Sicherung ökologischer Funktionen besteht.

Ferner möchten wir Sie darauf hinweisen, dass

  • ein Antrag auf Herauslösung der Vorhabenfläche aus der Landschaftschaftsschutzgebietsverordnung beantragt werden muss, dabei haben anerkannte Naturschutzvereinigungen ein Mitwirkungsrecht nach § 63 Abs. 2 Nr. 1 BNatSchG,
  • eventuell ein Antrag auf Ausnahme vom Biotopschutz gestellt werden muss, dabei haben anerkannte Naturschutzvereinigungen ein Mitwirkungsrecht nach § 63 Abs. 2 Nr. 8 BNatSchG i.V.m. § 20 Abs. 3 NatSchAG M-V,
  • eine FFH-Verträglichkeits(vor)prüfung zum FFH-Gebiet „Kühlung“ angefertigt werden muss, dabei haben anerkannte Naturschutzvereinigungen ein Mitwirkungsrecht nach § 63 Abs. 2 Nr. 3 BNatSchG,
  • eventuell aufgrund der Größe des Projektes und den Widersprüchen zum Regionalen Raumentwicklungsprogramm ein Raumordnungsverfahren durchgeführt werden muss, dabei haben anerkannte Naturschutzvereinigungen ein Mitwirkungsrecht nach § 63 Abs. 2 Nr. 8 BNatSchG i.V.m. § 15 Abs. 6 LPlG M-V.

Zudem sollten landwirtschaftliche Flächen vorrangig der Nahrungsproduktion dienen und daher nicht überbaut werden.

Wir bitten Sie darum, unsere Hinweise bei Ihrer Abstimmung zu beachten.

— Mit freundlichem Gruß
Janine Böttcher
Referentin für Naturschutz BUND Landesverband Mecklenburg-Vorpommern
Wismarsche Straße 152
19053 Schwerin
Tel.: 03 85 / 52 13 39 15
Fax:  03 85 / 52 13 39 20
E-Mail: janine.boettcher@bund.net
Internet: www.bund-mv.de